Ein Ort in mir

Beim autogenen Training sollten wir uns einmal einen Ort vorstellen, an dem wir uns gut entspannen könnten.

Ich hatte den meinen innerhalb von Sekundenbruchteilen gefunden: Ein realer Ort, an dem ich viel Zeit verbracht habe und meistenteils glücklich war. Ich konnte ihn nicht nur deutlich und in allen Details vor mir sehen, sondern sogar beim Öffnen der Tür seinen ganz eigenen Geruch wahrnehmen.
Eine Erinnerung, die mich heute eher traurig macht, weswegen ich ihn nur noch selten aufsuche.

Ich merke, dass ich dringend einen Ort in mir selbst brauche, an dem ich mich verstecken kann, wenn das Rasen in meinem Kopf unerträglich wird. In solchen Momenten denke ich daran, wieder Medikamente zu nehmen und das möchte ich, wenn es irgend geht, vermeiden.
Ich muß mir einen neuen Ort schaffen.

Zunächst stelle ich mir Licht vor. Warmes, goldenes Licht, wie es entsteht, wenn die Sonne im Wald zwischen den Bäumen hindurch scheint.
„WarmesgoldenesLichtwarmesgoldenesLicht“ murmele ich lautlos vor mich hin, weil selbst ein solches Mantra mein Gehirn ein klein wenig ausbremsen kann.
„Einatmen – Ausatmen“ würde vermutlich auch funktionieren …

IMG_12517-q-webPlötzlich erscheint vor meinem inneren Auge eine Badewanne.
Eine altmodische weiße Badewanne mit Löwentatzen um genau zu sein.
Ich sehe meine Knie aus dickem Badeschaum ragen, in dessen Bläschen sich das Licht spiegelt.

Ändere also den Text meines Behelfsmantras in „WeißeBadewannemitLöwentatzen“ und versuche, mir den Rest dazu vorzustellen:
Goldene Wasserhähne? Bestimmt! Aber Löwenköpfe, aus deren Mäulern das Wasser sprudelt? Nee … eher nicht. Weiße Wände, die das Auge ausruhen lassen und außerdem zur Wanne passen? Oder doch lieber orientalisch opulent?

Es kommt kein Bild zustande.
Stattdessen ein sehr deutlicher Eindruck vom Weg dorthin: Schon als Kind habe ich mir, wenn ich ganz allein sein wollte, einen Raum tief unter der Erde vorgestellt, zu dem ein schmaler Gang führte.
Ich sehe ihn vor mir: Nur wenig breiter als meine Schultern, schwarzer, leicht glänzender Fels, eine Beleuchtung wie von Fackeln und eine steile Treppe, die ich aber hinuntereilen kann ohne Angst vor einem Sturz zu haben. Überhaupt ist die ganze Szenerie kein bißchen unheimlich, sondern verspricht im Gegenteil Geborgenheit. Ich versehe den Gang mit einer Tür aus massivem Holz, die ich an einem dicken Metallring hinter mir zuziehen kann. An seinem Ende soll es eine weitere Tür geben.

Ein schwarzer Gang und eine weiße Badewanne also …

to be continued …

Advertisements

Veröffentlicht von

dieschattentaucherin

Schreibwütige Depressive auf ihrem Weg ins Sonnenlicht

Ein Gedanke zu “Ein Ort in mir”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s