Flucht

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Ein ums andere Mal bin ich gefragt worden, ob mein Weggang nach Südfrankreich nicht vielleicht eine Flucht sei …
Um mal in wirklich allerkürzester Zeit zu einer Schlußfolgerung zu kommen:
Würde man einen Asthmatiker, der an die Nordsee zieht, fragen, ob sein Verhalten nicht vielleicht eine Flucht sei?
Schließlich hätte er mehr oder andere Medikamente nehmen können. Sein Verhältnis zu Allergenen und Umweltgiften ein weiteres Mal hinterfragen. Oder einfach mal durchatmen!
Schließlich ist doch genug Luft da.

Warum, oder besser „ab wann“ hat das Wort „Flucht“ diesen negativen Beigeschmack?
Verständigerweise flieht man aus einem brennenden Haus. Menschen fliehen aus Kriegs- und Krisengebieten und aus solchen, in denen sie zu verhungern drohen. Frauen fliehen aus von Gewalt geprägten Beziehungen.
Ab wann aber hat eine Flucht nichts Ehrenrühriges mehr an sich?
Im Falle des brennenden Hauses ist (wenn man nicht gerade bei der Feuerwehr arbeitet) alles klar: RAUS! Wer drin bleibt, stirbt – da gibt es wenig zu diskutieren.

Zu der Sorte Flucht, die Menschen zu Flüchtlingen macht, mag ich mich in Anbetracht der derzeitigen Lage eigentlich gar nicht äußern: Wer Grund hat, um sein Leben zu fürchten, sollte fliehen! Wessen Stadt bombardiert wird, wessen Freunde und Verwandte verschleppt werden, wer nicht weiß, wie er an Nahrung und Wasser gelangen kann, der hat Grund, um sein Leben zu fürchten!

Beim Thema „Gewalt in Beziehungen“ sieht es dann schon wieder ein klein wenig anders aus:
Kein fühlender Mensch wird dazu raten, Bombardierungen und Menschenrechtsverletzungen anzunehmen, Verständnis zu entwickeln, einen gemeinsamen Weg zu erarbeiten.
Man darf sich erst in Sicherheit bringen! Dann kann man verhandeln. Wenn man denn verhandeln will …
Von Frauen dagegen wird häufig (und sogar von den betroffenen Frauen selbst) immer noch erwartet , dass sie in ihrer Beziehung verbleiben und dort verhandeln.

Mag sein, dass wir – mein Freund, der Asthmatiker und ich – auf vergleichsweise hohem Niveau jammern.
Die Symptome unserer Erkrankungen lassen sich mit Medikamenten lindern.
Gesund werden wir nicht. Aber wir kommen klar. Mit gewissen Einschränkungen …

Ob es wohl schwer sein mag, sich vorzustellen, wie sehr dennoch die Lebensqualität steigt, wenn man weniger Medikamente benötigt, oder womöglich ganz ohne auskommt?
Natürlich bleiben ganz viele Asthmatiker da wo sie sind – die knubbeln sich ja nicht alle an der Nordsee. Man kann auch in Ballungsgebieten mit hoher Luftverschmutzung klarkommen, wenn man das will. Aber muss man wollen?

Muss man die eigene Lebensqualität dauernd betüdeln und umsorgen wie ein kränkliches Pflänzchen, wenn eine räumliche Veränderung sie dauerhaft zu stabilisieren vermag?
Ist es tatsächlich ein „sich-drücken-und-davonlaufen“, wenn Menschen auf der Suche nach erträglichen Lebensbedigungen sind?

Ich meine: Nein.

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Veröffentlicht von

dieschattentaucherin

Schreibwütige Depressive auf ihrem Weg ins Sonnenlicht

3 Gedanken zu „Flucht“

  1. Hallo Schattentaucherin,

    wenn dir Sonne offensichtlich gut tut, hast du mal über Vitamin D-Mangel nachgedacht? Ich habe diesen Winter das erste Mal durchgehend supplementiert. Ich nehme keine Antidepressiva mehr, nur noch Nahrungsergänzungsmittel. Und ich merke den Unterschied eindeutig.

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