Der Sommer ist vorbei

Es war ein guter Sommer! Man kann es an meiner Stimmungstabelle ablesen: Erfreulich viele weiße Kästchen (für schlicht und einfach ganz normale Tage) und auch etliche zart- oder gar sattgrüne (für richtig gute).
Ich bin morgens einfach so aufgewacht, oder weil der Wecker klingelte – nicht, weil ich Schmerzen hatte.
Und ich hab tatsächlich angefangen, mich ein wenig in diesem angenehmen Zustand einzurichten.
Ich hab mich sogar getraut, zu einem Fest auf dem Hof einzuladen!

IMG_14101-q-webUnd dann hat ein einziger Rückschlag ausgereicht, all das zunichte zu machen.
Nichts Existenzielles glücklicherweise, einfach nur ein Projekt, eine gute Sache, an die ich mein Herz gehängt hatte.
Die mir das Gefühl gegeben hat, ein Teil von etwas zu sein, etwas zu bewegen, auch dann noch etwas Sinnvolles tun zu können, wenn ich objektiv nicht so fürchterlich viel hingekriegt habe.
Vermutlich kennen wir das alle: Sich voller Engagement und Euphorie in eine Unternehmung stürzen und nach einiger Zeit bemerken, dass man da eigentlich sehr alleine unterwegs ist. Dass man gar nicht wirklich etwas bewegt. Und auch gar niemand da ist, der die eigenen Bemühungen so recht zu schätzen weiß.
Ernüchterung, Enttäuschung, Trauer … womöglich auch Verletztheit, Verbitterung. Aber letztlich gehören solche Erfahrungen zu Leben: Wir lassen los und wenden uns anderen Dingen zu.
Womöglich, um diese Erfahrung ein ums andere Mal zu wiederholen, aber darum geht es mir hier nicht.

Ich bin einfach erschrocken über die Konsequenzen, die diese eine „Pleite“ nach sich zieht.
Nicht nur, dass ich traurig bin. Enttäuscht, verletzt. Im Verlauf weniger Tage rutsche ich in ein depressives Tief ab, liege morgens weinend im Bett, quäle mich durch bleierne Tage. Als wir Gäste zum Mittagessen haben, gelingt es mir nicht, die Mahlzeit bis zum Ende durchzustehen: Ich bekomme keine Luft mehr und befürchte, jeden Moment in Tränen auszubrechen.
Die Schmerzen sind wieder da. Und mein Sehvermögen ist schlechter als je zuvor.

Ich komme mir vor, wie eine dieser Reihen von Dominosteinen: Kippt einer um, fallen alle.
Nur, dass die Steine in meinem Falle nicht auf kleinen Wippen stehen und auch sonst keine lustigen Effekte auslösen. Es entstehen auch keine Muster, wenn sie fallen. Nur ein großer Haufen Elend.

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Veröffentlicht von

dieschattentaucherin

Schreibwütige Depressive auf ihrem Weg ins Sonnenlicht

12 Gedanken zu „Der Sommer ist vorbei“

    1. Ohne da jetzt übertrieben pessimistisch sein zu wollen…

      „I am cold on a bed of ice
      But like seasons I know it will pass
      It will always return again though“

      Anne Clark – Killing Time

      Ich mag ihre Texte ja sehr, wenn der Winter kommt und es mir auch schlechter geht. Außerdem kommt vor dem Sommer immer der Frühling. Einhorn mag Frühling sehr
      🙂

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  1. Tut mir leid, das kenne ich auch viel zu gut. Ich weiß, es hilft jetzt nichts, es hat auch mir kaum geholfen, aber sei Dir sicher daß auch wieder andere Tage kommen.

    Und ich wünsche sie Dir schneller als Du Dir vorstellen kannst.

    Thomas.

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  2. Es freut mich zu lesen, dass du einen tollen Sommer hattest!
    Manchmal geht es einem so gut, dass man gar nicht daran denken mag, dass es auch schlechte Tage gibt und dann überrumpeln sie einen umso extremer. Aber du kannst es und hattest diesen guten Sommer und schaffst es auch darüber zu schreiben. Und das nicht erst Wochen später gegen Winter. Du stellst dich dem und das bewundere ich.

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  3. Ich hatte vor drei Wochen auch wieder einen Schlag ins Kontor nach längerer Zeit…und ich habe länger als sonst gebraucht, mich von den direkten Folgen zu erholen…
    Ist kacke. Aber wie sprach ein weiser Mann: Morgen ist leider auch noch ein Tag.

    Wir deprimieren uns da jetzt durch, das wär ja gelacht! 😀

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  4. Ich glaube, dass es von existentieller Wichtigkeit ist, zu erleben, dass wirklich gute Dinge uns so berühren können, das wir richtig und heilend darauf reagieren. Ein neues Selbstbild, neue Möglichkeiten. Und beim nächsten Mal geht es schneller, und weiter und leichter, wünsche ich dir.

    LG, gann

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