Ich hätt‘ getanzt …

Bei der Lektüre eines Beitrages auf Meine Drogenpolitik hab ich mich erinnert, wann und unter welchen Umständen ich zuletzt getanzt habe …
Eigentlich ging es um bei dem Text um Erfahrungen mit dem Konsum von Ecstasy – ein Thema das mich lediglich in Hinblick darauf interessiert, was Menschen sich alles trauen, mit sich anzustellen. Ich hab ja so schon meine liebe Not damit, mit einer etwas „strubbeligen“ Gehirnchemie klarzukommen …
Aber am Rande ging es eben auch ums Tanzen.

img_8243-q-webIch habe immer wahnsinnig gerne getanzt. Standard und Latein (da steh ich zu: ich liebe Wiener Walzer!), Rock’n‘ Roll, Improvisationstanz, Flamenco und viel viel orientalischer Tanz. Oder einfach abzappeln …
In meinem jetzigen Leben weiß ich gar nicht, wie viele Autostunden die nächste Diskothek weg wäre. Und ob es dort Ü50 Parties gibt. So oder so trifft man Bauern recht selten des nachts beim Abfeiern an …
Vor allem aber würde mich vermutlich schon eine kleine Schlange am Eingang wirksam in die Flucht schlagen. Ich kann Menschenansammlungen nicht gut ertragen. Schon gar nicht in geschlossenen Räumen.
Im Allgemeinen vermiss ich nix. Wenn ich Lust hab, tanz ich in der Küche.

Keine Ahnung, was mich geritten hat, als mir auf dem Plakat für eine Feier im Nachbardorf das Stichwort „Batucada“ ins Auge sprang …
Batucada ist Samba. Die Sorte, bei der ganze Truppen von MusikerInnen und TänzerInnen durch die Straßen ziehen. Wenn eine richtig gute Sambatruppe Vollgas gibt, dann ist das, wie wenn ein großer Chor das tut: Da macht man sich fast in die Hose.

Die Menschenmengen, in die man auf den hiesigen Dorffesten geraten könnte, sind – nun ja – überschaubar … am meisten knubbelt es sich bei den Petanque Turnieren … Dennoch sind solche Veranstaltungen für mich sehr anstrengend. Man wird gesehen, beobachtet, eingeschätzt. Womöglich muss man Smalltalk halten, was ich schon furchtbar finde, wenn ich die Sprache beherrsche. Mein Französisch ist immer noch auf einem Niveau, das Gesprächsversuche schnell versanden lässt – dann hab ich sie zwar hinter mir, aber es ist peinlich. Ich muss schon einen ziemlich guten Tag haben, um mir das anzutun.

Aber ich wollte diese Batucada-Truppe sehen!
Wie sich zeigte, wurde das Musikprogramm von der dörflichen Musikschule organisiert und auch dargeboten und so haben wir zunächst einigen angehenden Gitarristen und Pianisten im Teenager-Alter sowie einem Laienchor gelauscht. Auch die ersehnte Batucada-Truppe hatte deutlich Anfänger-Niveau. Aber Spaß! Und im Finale haben die Leute Gas gegeben, so gut das eben ging! Das reicht, damit die Füße ein Eigenleben entwickeln und man auf den Oberschenkeln trommeln muss.
Und was ich eigentlich erhofft hatte, ist geschehen: Eine kleine Handvoll von Frauen ist aufgestanden und hat getanzt. Keinen brasilianischen Samba, einfach so …
Und ich hab mich einfach so dazugesellt – auf meinem Stuhl hätte man mich anbinden müssen.
Ich kann auch keinen Samba, aber die Bewegungen sind denen des orientalischen Tanzes recht ähnlich, alles ist sehr vertraut. Und der Rhythmus ist zwingend. Man muss nichts tun, einfach nur die Kontrolle vom Kopf an die Füße übergeben.
Es war ein kurzer, aber wunderbarer Moment: Wenn ich tanze, ist alles richtig! Es stört mich nicht, unter Menschen zu sein, auch wenn es vielleicht zu laut und zu voll ist. Ich muss mich nicht bemühen, normal zu wirken, ich bin richtig.

Wenn ich tanze, bin ich ganz und gar bei mir. Kein Grund, vor irgendetwas Angst zu haben.
Vielleicht sollte ich doch häufiger auf Dorffeste gehen …

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2ND-PLANET-LEFT

Seit ich mich erinnern kann, ist Lesen mir ebenso sehr Bedürfnis, wie Schreiben.
Und so lese ich, seit ich blogge, die Blogs anderer Menschen …
Einige davon finde ich spannend oder anrührend, manche sind mir regelrecht ans Herz gewachsen – und ich möchte sie Euch vorstellen.
Diesmal:
2ND-PLANET-LEFT

Hier war es schon der Name, an dem ich meine helle Freude hatte. Im ersten Moment dachte ich, es ginge darum, dass noch ein zweiter Planet übrig sei und musste mir einen kleinen, übriggebliebenen Planeten vorstellen. Tatsächlich – und auch das gefällt mir sehr – ist er die Antwort auf die Frage „Wo kommst Du eigentlich her?“.
Von diesem Planeten irgendwie nicht … es muss ein anderer sein … womöglich der zwote von links …

Auf dem zweiten Planeten von links geht es um Hochsensibilität, ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom) und Asperger. Vor allem wohl um Asperger. Über Autisten hatte ich gelernt, ihnen fehle jegliche Empathie. Hochsensible dagegen besäßen sie im Übermaß. Auf die Idee, dass ein einziger Mensch beides in sich vereinen könnte, wäre ich im Leben nicht gekommen. Den Blick teilen zu dürfen, den ein solcher Mensch auf die Welt hat, finde ich außerordentlich faszinierend!
Auf dem zweiten Planeten von links findet man wenig Erklärung und Ratgebertum, aber viel Alltag – auch das finde ich sehr sehr angenehm!
Und er ist voll von Bildern: Sowohl von fragilen bis verstörenden Zeichnungen, als auch von sehr schönen Makrofotographien.
Ich bin gerne dort.

Kelch … vorüber!

Warum ich mich entschieden habe, keine Highly Sensitive Person zu sein.

In letzter Zeit stolpere ich ständig über Artikel und Blogposts zum Thema Hochsensibilität. Frequenz steigend.
Ob mir das wohl etwas sagen will? Ich glaube: Nein.
Und falls doch, dann bestenfalls, dass das Thema derzeit einen Hype erfährt – HSP ist das neue Burnout, wenn man so will.
Nur viel schicker!

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Früher seien Hochsensible als Berater, Weise und Zauberer in Erscheinung getreten, lese ich. Das will zwar nicht so recht zu der Vermutung passen, dass 15 bis 20 Prozent aller Menschen hochsensibel seien – da wäre ja mal richtig was los gewesen in der Zaubererwelt! – klingt aber gut. Klingt richtig gut!
Überhaupt (und wissenschaftlich betrachtet, auch wenn sie sich bislang neurophysiologisch nicht nachweisen lässt) scheinen die Attribute der Hochsensibilität auf den ersten Blick attraktiv:
Hochsensible nehmen Reize jeder Art tiefer, intensiver und detaillierter wahr als andere (sogenannte normalsensible Menschen). Sie verfügen über eine vielschichtige Fantasie, eine ausgeprägte Intuition, sind begeisterungsfähig und vielseitig interessiert. Sie können die Stimmungen und Emotionen anderer Menschen leicht und detailliert erkennen und sind in der Lage, in großen Zusammenhängen zu denken.
Holla die Waldfee, wenn das nicht nach einer Gabe klingt!
Aber schon von den Weisen und Zauberern wissen wir, dass Segnungen dieser Art immer auch Fluch sind.
Diese umfassende, intensive und nachhaltige Wahrnehmung lässt sich nicht nach Bedarf ein- und ausschalten, der Mensch ist seinen Eindrücken geradezu ausgeliefert. Deswegen ermüden hochsensible Menschen rasch, sie sind schnell überfordert, müssen sich vor Reizüberflutung schützen und sorgsam darauf achten, sich Pausen und Rückzugsmöglichkeiten zu organisieren.
Was ich bei Betroffenen über ihr Leben mit der Hochsensibilität gelesen habe, klang dann auch oft eher anstrengend und kompliziert.
Und dennoch: Sensibilität, Empathie, Intuition, Tiefe, Intensität, Kreativität … sind so verdammt positiv belegt!
Damit nehmen sie unter den Menschen mit (psychischen, neurophysiologischen) „Besonderheiten“ eine Sonderstellung ein.
Die Maßnahmen (Auszeiten, Rückzugsmöglichkeiten, Wunsch nach Rücksichtnahme), die sie ergreifen möchten und müssen, um mit ihrer speziellen Besonderheit leben zu können, unterscheiden sich gar nicht mal so sehr von denen, die auch uns anderen nützlich sind oder wären. Aber sie stehen in einem ganz anderen Licht da, sorgen sie doch dafür, dass eine GABE sich entfalten kann.
Für Menschen mit Asperger Autismus gilt das durchaus auch, nur denkt bei denen niemand an Zauberer, sondern alle an Rainman.
Alle anderen – also die Depris, Paniker, Borderliner, PTBSler und wie sie alle heißen – haben zwar ganz ähnliche Bedürfnisse, allein es fehlen die Sympathiewerte.

Aus schierer Neugierde hab ich mal einen der einschlägigen Tests absolviert und „Sapperlot!“:
„Sie sind mit an Gewissheit grenzender Sicherheit eine HSP. … Sie werden sicher noch glücklicher und leistungsfähiger sein, wenn Sie nicht versuchen zu leben wie ein nicht-HSP. Arbeiten Sie daran Wege und Möglichkeiten zu finden, um in einer Ihnen angenehmen Weise Kontakt mit der Welt zu halten. Die Welt braucht Sie und Ihre Empfindsamkeit. Sie sind eine Bereicherung.“

Das Gefühl der starken Erleichterung, von dem Betroffene häufig berichten, weil sie sich endlich nicht mehr „wie vom anderen Stern“ fühlen, wollte sich allerdings nicht einstellen. Mein Gefühl sagte eher etwas wie „Och nö … !“.
Nur um sicher zu gehen, habe ich danach noch ungefähr 10 weitere Tests ausprobiert, so wie Google sie zu Tage förderte.
Half nix: Ich bin hochsensibel. Auffällig fand ich zwar, dass die Mehrzahl der Anbieter mir gerne auch gleich das passende Coaching und / oder ihr Buch zum Thema verkaufen wollten … aber Honi soit qui mal y pense
Lustiger war schon die (natürlich nicht als repräsentativ zu wertende!) Bitte an einige Menschen aus meinem Bekanntenkreis, den Test ebenfalls zu machen:
Ich bin nicht nur selbst eine HSP, ich bin auch von ihnen umgeben!

Ein Ergebnis, das sich vielleicht durch einen Blick auf die Fragen erklären läßt …
Der Test von „zartbesaitet“ zum Beispiel umfasst 29 Aussagen, die mit
1 = nein, überhaupt nicht
2 = nein
3 = eher nein
4 = halb und halb / weiß nicht
5 = eher ja
6 = ja
7 = ja, sehr!
mehr oder weniger zu bestätigen sind.

Spaßeshalber beantworte ich alle mit „weiß nicht“ und „knacke“ schon damit die magische Punktzahl: Hochsensibilität beginnt bei 163 Punkten, ich hab 168 …
Aber Spaß beiseite.
Gehen wir mal einige der Aussagen durch:

Ich habe ein reiches und vielschichtiges Innenleben.
Jetzt mal alle die Hand hoch, deren Innenleben vollkommen hohl und flach ist!
Oookay … jetzt die mit der akuten Depresse die Hände runter …
Na?

Ich bin ein guter Zuhörer.
Ich bin gewissenhaft.
Ich strenge mich an, keine Fehler zu machen und nichts zu vergessen.
Bildende Kunst / Musik / Naturstimmungen bewegen mich tief.
Ich bemerke und genieße zarte oder feine Gerüche, Geschmäcker, Klänge oder Kunstwerke.
Wer soll sich denn da zu einem glasklaren „nein“ durchringen, oder auch nur zu einer Antwort unterhalb des „weiß auch nich“ Durchschnittes?

Lärm ist mir unangenehm.
Wem nicht?
Die Frage ist ja genau nicht, ob er in Wacken okay wäre und nur nervt, wenn er von der Baustelle nebenan kommt.

Es ist mir lästig, wenn gleichzeitig verschiedenste Dinge von mir verlangt werden.
Klingt das wirklich irgendwie ungewöhnlich?

In Wettbewerbssituationen oder unter Beobachtung werde ich so nervös oder unsicher, dass ich schlechtere Leistungen bringe, als ohne diesen Streßfaktor.
Yup. Lampenfieber heißt das Wort. Alternativ: Prüfungsangst.

Natürlich ist der Test anonym! Aber selbst wenn wir ganz allein Kreuzchen auf einer Website hinterlassen, haben wir ein Bild von uns selbst. Und wir möchten nicht von uns sagen, dass wir hohl, leer und ignorant sind, dass wir zu denen gehören, die nix merken. Wir wissen ja, dass es um Sensibilität geht und möchten am Ende nicht als grobe Klötze dastehen. Und dann ist es schwierig, nicht mit dem Ergebnis „hochsensibel“ aus der Nummer rauszukommen.

Letztlich, lese ich (mit sich nun doch einstellender Erleichterung und durchaus erheitert) müsse und könne man aber nur selbst für sich entscheiden, ob man hochsensibel sei.
Das ist ja grade nochmal gutgegangen!

Im Großen und Ganzen bin ich nämlich der festen Überzeugung, dass ich deswegen so hohe Punktwerte erreiche, weil für Menschen mit Depressionen und Angststörungen dieselben Strategien eine Rolle spielen.
Natürlich fühle ich mich schnell überfordert – manchmal ja schon damit, morgens aus dem Bett zu kommen.
Und natürlich machen Trubel und Aktivität, wenn man selbst gerade mal wieder mit einem Heulanfall zu kämpfen hat, die Sache nicht besser.
Wenn ich mich mit zu vielen Menschen in einem geschlossenen Raum aufhalten muss und womöglich noch Lärm hinzukommt, verspüre ich mit einiger Sicherheit Paniksymptome.
Lärm ist mir fast immer unerträglich. Es sei denn, ich mach ihn selber: Wenn ich so richtig schlechte Laune habe, höre ich Hardrock, dass die Wände wackeln und habe überhaupt kein Problem damit.
Das, was für normalgestimmte Menschen (um mal nicht „gesund“ zu sagen) normaler Alltag und Zusammenleben mit anderen Menschen ist, empfinde ich als extrem anstrengend. Ich ermüde rasch, möchte mich häufig zurückziehen und versuche selbstverständlich, mir meine Tage, mein Leben entsprechend einzurichten.
Im zwischenmenschlichen Bereich kriege ich tatsächlich mehr mit, als mir oft lieb ist. Vor allem Wut, Angst und Verzweiflung meiner Mitmenschen prasseln geradezu auf mich ein. Das kann außerordentlich hilfreich sein, wenn es mir gelingt, zu handeln und zum Beispiel dafür zu sorgen, dass ein Konfliktgespräch stattfinden kann, ist aber auch sehr anstrengend – danach bin ich völlig ausgelaugt. Kann ich weder handeln, noch mich abgrenzen, besorgt letzteres relativ schnell die Depression für mich: Sie schubst mich kurzerhand ins Bett.
Hier bin ich noch auf der Suche nach Strategien und schon deswegen werde ich das Thema Hochsensibilität weiter verfolgen, auch wenn dieser Kelch an mir vorübergegangen ist. Außerdem interessieren mich Menschen mit Besonderheiten (ooops … nö … ich bin eher nicht vielseitig interessiert!) – vor allem mit Blick auf unsere Gemeinsamkeiten, nicht so sehr auf das, was uns trennt.

Aus manchen Texten lese ich ein gewisses Maß an Selbstverliebtheit heraus, das ich eher nervig finde … aber okay, der Reiz der Stichworte „tief“, „intensiv“, „reich“ ist vermutlich ganz enorm.
Und eine Tendenz, alles aber auch wirklich alles für die eigene Besonderheit zurechtzuschneidern.
So las ich neulich wahrhaftig, für Hochsensible sei es wichtig, auf Reisen bequeme Kleidung zu tragen. Vermutlich, weil Normalsensible eine kneifende Hose weder bemerken, noch auf einem Langstreckenflug irgendwie als Beeinträchtigung empfinden würden …

Ich glaube, es sind diese Eindrücke, die mich so unwillig machen, mir den Schuh HSP anzuziehen.
Ich lebe seit Jahren mit einer … sagen wir … originellen Gehirnchemie, aber meine Besonderheit ist eine Krankheit. Ein Makel. Ich will gerne glauben, dass hochsensible Menschen sich gut überlegen, wann, mit wem und wie sie über ihre Besonderheit sprechen. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass die diesbezügliche Latte für andere Menschen sehr viel höher liegt. Für Borderliner zum Beispiel …
Wenn ich heute feststellen könnte: Ich habe Depressionen und Panikattacken, weil ich hochsensibel bin (was ich zwar grundsätzlich gar nicht unlogisch finde, worauf meine Psychiaterin und Therapeutin aber vermutlich auch gekommen wären), dann würde sich im Ergebnis genau nichts ändern. Mein Leben wäre exakt dasselbe.
Zugegeben, mir gewisse Zeitgenossen vorzustellen, wie sie sich vor den Kopf schlagen und ausrufen „Ach so! Hochsensibel bist Du! Ja dann …!“ ist unterhaltsam. Es ist jedoch wie mit der Fantasie von der eigenen Beerdigung, auf der dann allen alles ganz schrecklich leid tut. Ist nett, bringt aber nix.
Ich habe (so gut das ging) gelernt, mit einer Krankheit zu leben. Ich habe zu ihr gestanden und offen über sie gesprochen. Jetzt will ich sie auch behalten.

Mir ist vollkommen egal, wie ich aussehe …

Der entzückte Kommentar der kleinen Inderin zu diesem Thema ist mir unvergessen: „Da haben wir ja tatsächlich mal ein Problem gefunden, das Sie nicht haben!
Nichtsdestotrotz geht der legendäre Ausspruch eines meiner liebsten Freunde noch weiter :
… Hauptsache, ich sehe gut aus!

***

Als Teenie habe ich natürlich unter meiner unreinen Haut gelitten. Unter Pickeln, die mich just dann in „das letzte Einhorn“ verwandelten, wenn ich am Wochenende auf die Piste wollte. Wie verstopfungs- und entzündungsgeneigte Poren wissen können, wann Feten geplant sind, ist mir bis heute ein Rätsel …
Im Freibad habe ich vorzugsweise T-Shirts getragen oder auf dem Bauch gelegen – ehrlich, mein Brausebauch wäre echt niemandem aufgefallen, wenn ich nur ein bißchen mehr Busen gehabt hätte!

In meinen 20er- und 30er- Jahren habe ich mich gleichwohl schön gefunden. War ich schön.
Ich erinnere mich noch, wie meine Herzensfreundin und ich damals beschlossen haben, dass man an Falten wohl nichts ändern, wohl aber beeinflussen könne, in welche Richtung sie verliefen.
„Immer lächeln!“, so haben wir beschlossen, würde die entsprechenden Lachfalten ausbilden. Wir würden also schön altern.
Damit, dass das Leben uns das Lächeln schwermachen könnte, haben wir nicht gerechnet.

Wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich ein gezeichnetes Gesicht: Harte Zeiten, Trauer, Schuldgefühle und Depressionen haben ihre Spuren hinterlassen. Es wäre schön, hier ein Heldinnengesicht zu sehen – gereift, abgeklärt, gestärkt … bei mir sehe ich eher Gebrauchsspuren: Lackschäden, Fettflecke und Eselsohren …
Gut, dass ich nicht so oft an einem Spiegel vorbeikomme!

Besser noch: Ich erschrecke zwar, habe den Moment aber auch gleich wieder vergessen.
In meiner Vorstellung sehe ich immer noch aus wie mit Mitte, Ende zwanzig – da habe ich mir, zumindest was mein Aussehen betraf, am besten gefallen. Diesen „Look“, halt nur dezent knittriger (so wie bei dem berühmt berüchtigten edel knitternden Leinen) hätte ich mir für 40, 50 auch gut vorstellen können …

IMG_9267-webStattdessen: Unverhofft, so ganz ohne „sich sammeln und innerlich wappnen“ in einen Spiegel hineinzurennen, führt – zumal morgens – zu einer Art „HUH!“ – Erlebnis …
Nun ist es wichtig, keinen Fehler zu machen: Falten,Tränensäcke, Schlupflider und Doppelkinne werden immer zahlreicher, tiefer, dicker, abscheulicher, je länger man sie anstiert. Natürlich verschwinden sie nicht, wenn man einfach woanders hinguckt. Aber man grämt sich sehr viel weniger …

Meine Hausärztin hat mich einmal gefragt, ob die – zugegeben nicht sonderlich dezent geratene – Narbe meiner Schilddrüsen-OP mich eigentlich nicht stören würde.
Ich: „Nö, ich seh die doch nicht …“.
Darüber, dass sie gesehen wird, habe ich mir nie Gedanken gemacht, keinen Grund gesehen, plötzlich im Sommer duftige Schals zu tragen.
Ich hatte auch nie den Eindruck, dass tatsächlich jemand hinguckt.

Natürlich vergesse ich nicht, dass meine Haare grau werden. Ich vergesse, wie dünn sie geworden sind und wie doof es aussieht, wenn sie sich um das Gestell der Brille kringeln, die ich neuerdings tragen muss. Wenn der Wind nur etwas stärker weht, zieht er mir die Haare aus Zopf bzw. Dutt und die Bügel der Brille lassen sie waagerecht von meinem Kopf abstehen. Dann sehe ich nicht wie früher liebenswert zerzaust aus, sondern wie die seltsame Alte, die ich genau genommen mittlerweile ja auch bin …

Ich hatte immer meinen Spaß daran, mich „aufzubrezeln“, wenn es auf die Piste ging.
Make-up für die Arbeit aufzulegen, war eher eine Pflichtübung – eigentlich fand ich, für den Alltag sei ich auch so schön genug.
Als Hundetrainerin war’s grad egal … Irgendwann, als ich nach der Arbeit noch rasch was einkaufen war, hab ich an der Kasse kurz mal an mir heruntergeschaut: Durchaus okaye Outdoorjacke, die lediglich durch mehrere Lagen Fleece darunter zur Wurst in der Pelle aufpoppte. Schlammbespritzte Waldarbeiterhosen, dreckstarrende Bergstiefel. Wie ich mit meiner Mütze aussah, konnte ich nicht überprüfen, aber ich weiß, ich bin kein „Mützentyp“ …

Heute sind es eher die Kassiererinnen im Supermarkt, die mich „aufgehübscht“ zu sehen kriegen:
Vor dem Einkaufen wird geduscht und die „stadtfeinen“ Klamotten angezogen.
Auf den letzten Drücker wohlgemerkt: Eine einzige Begegnung mit einem erfreuten Hofhund oder womöglich einem zugewandten Schaf und „stadtfein“ ist Geschichte …

Shopping-webMeine letzten Shopping-Highlights bestanden aus einem Paar Schnittschutzhosen (weil ich sehr gerne lernen möchte, mit einer Motorsäge umzugehen) sowie aus Sicherheitsschuhen (seit mir eine Schieferplatte beim Hochheben zerbrochen und auf meinem Fuß gelandet ist, hat meine Begeisterung für leichtes Schuhwerk einen buchstäblich schweren Dämpfer erhalten).

Ich mag es so. Es fühlt sich versöhnlich an.
Obwohl ich nie das Gefühl hatte, unbedingt einem Schönheitsideal genügen zu müssen … oder eben in der glücklichen Lage war, mich einfach als genügend zu empfinden
Es ist entspannter so. Und es scheint mir so viel angemessener:
Wenn meine Haare derangiert und voller Zweige sind, meine Klamotten dreckig und zerrissen, und ich selber gezeichnet von Schrammen und blauen Flecken, dann bin ich entweder im unwegsamen Gelände tierisch auf die Fresse gefallen, oder ich bin einer höchst befriedigenden Tätigkeit wie „Zäune reparieren“ nachgegangen. Oder beides …
Dann sehe ich gut aus, weil es stimmig ist. Ich sehe nach dem aus, was ich bin und was ich tue. Und das ist gut so.

Ich betrachte mein Spiegelbild weniger in beschichtetem Glas, als vielmehr in den Augen unserer Tiere: Ihr Blick ist voller Vertrauen – in ihren Augen bin ich schön.

Gift für mich?

Kürzlich las ich bei „Zeit Online“ einen Artikel mit der Überschrift „Facebooks psychische Störung“. Eigentlich hatte der Scroll-Balken schon einen gesunden Abwärtsschwung: Was Facebook aus Menschen zu machen in der Lage ist, kann ich mir dort täglich anschauen. Und was passiert, wenn Computernetzwerke ein Bewusstsein entwickeln, ist seit Skynet hinreichend erklärt.
Dennoch reagiere ich auf die Stichwortkombination „psychisch / Krankheit“ oder eben „psychisch / Störung“ zugegeben mit einer leicht zwanghaften Lesereaktion …

Und durfte auf diesem Wege erfahren, dass soziale Medien Gift für depressive Menschen sind.
Social Media und Depressionen sind inkompatibel!“.

Nachdem die Erleichterung über die die Tatsache, dass ich den leichtsinnigen Konsum derselben gleichwohl ohne größere Schäden überstanden habe, oder jedenfalls zu haben glaube, ein wenig abgeklungen war, habe ich nicht etwa Abstinenz geschworen, sondern mich auf die Suche nach den Gründen gemacht, aus denen der besagte Artikel mir solches Unwohlsein hervorgerufen hat.
Denn das immerhin hat er: Die Lektüre hat mich mit gesträubtem Nackenfell und frisch erwecktem Widerspruchsgeist zurückgelassen …

Die Autorin stellt fest, dass die Nutzung von Social Media wie Facebook, Twitter und Instagram ihr während eines depressiven Tiefs nicht gut tut.

IMG_12624-q-webDas ist die Stelle, an der ich mich eigentlich als jemand outen muß, der nicht mitreden kann: Ich nutze einen FB-Account, aber ich twittere nicht. Und was instagram ist, vermag ich nur zu raten …
Aber mit Facebook und dem dortigen alltäglichen Wahnsinn immerhin bin ich dabei …
Outing die Zwote: Meine social media treiben ihr Unwesen lediglich auf meinem Rechner.
Ich besitze kein „kann alles“ Phone …
Ich kann mich dem Gift der social media also nur dann aussetzen, wenn ich den Weg aus dem Bett bis an den Rechner geschafft habe. Anziehen inklusive. An wirklich schlechten Tagen komme ich so weit gar nicht erst …

Aber bleiben wir bei der Autorin! Ihr tut das nicht gut, also läßt sie es sein.
Das ist okay. Extrem vernünftig.
Sie kennt Menschen, die auch Depressionen haben und die sich dann auch von Social Media fernhalten. Das ist auch okay. Sich Gleichgesinnte zu suchen, schadet nie. Und warum sollte man dann nicht auch auf ähnliche Lösungsstrategien kommen?

Mein Unbehagen setzt ab dem Punkt ein, an dem sie explizit schreibt, dass es keinerlei Forschungsergebnisse gibt, die ihre Behauptungen untermauern.
Klar kann einem das passieren … dass die eigene Idee einfach flotter ist, als irgendwelche ForscherInnen, die sie gerade mal bestätigen könnten. Das passiert auch den Besten!

Was mich aber ernsthaft stört ist folgender Absatz:
„Es gibt zwar keine wissenschaftlichen Arbeiten über die Auswirkungen sozialer Medien auf eine bereits bestehende Depression. Aber Experten halten einen negativen Zusammenhang für so selbstverständlich, dass er keiner besonderen Erwähnung mehr bedarf.“
Als Expertinnen zieht die Autorin ihre Psychiaterin und deren Vorgesetzte sowie eine Medienexpertin heran.
Das ist vermutlich treffender als die Analyse des Wirtes meiner Stammkneipe. Aber gleichwohl stampfen 3 Personen noch keine allgemeine Expertenmeinung aus dem Boden.
Und – by the way – ich habe großes Ver- und Zutrauen zu meiner Psychiaterin (die mich übrigens in all den Jahren nie auch nur gefragt hat, ob ich bei Facebook bin). Wenn ich ihr erzählte, dass soziale Medien mir nicht gut tun und ich sie deswegen meide, würde sie mich vermutlich in dieser Idee bestätigen. Wie auch in deren Gegenteil, sofern sie den Eindruck hat, dass ich für mich das Richtige tue.
Soviel also zur Allgemeingültigkeit …

Studien zu der Frage, ob Social Media Depressionen verursachen können, scheint es dagegen durchaus zu geben. Nur kommen sie nicht zu einheitlichen Ergebnissen – was im Einzelfalle ärgerlich, im Großen und Ganzen aber durchaus nicht ungewöhnlich ist.
Die Autorin zitiert eine, die zu dem Ergebnis kommt, dass, wer sich nicht mit seinen Bekannten vergleiche, sondern sich wohlwollend über Freunde und Familie informiere, nicht in eine Depression rutsche.
Und zieht daraus den Schluß, die Forscher hätten Facebook selbst wohl noch nie genutzt.

Nun, tatsächlich funktioniert Forschung genau so (oder sollte es jedenfalls): Man läßt eigene Erfahrungen, sofern man diese hat, außen vor und beobachtet stattdessen mit größtmöglicher Neutralität eine repräsentative Gruppe.

Warum der Autorin so sehr daran gelegen ist, eine Erkenntnis, die für sie selbst richtig und wichtig ist, gegen alle Widerstände zur allgemeinen Wahrheit zu stilisieren, erklärt sich womöglich an anderer Stelle, wenn sie nämlich schreibt „Ich war nicht mehr in der Lage, mich selbst in den sozialen Medien darzustellen. Bisher war ich durchs Leben gegangen und hatte es im Geiste zu Tweets formatiert und nach Bildmotiven für Instagram Ausschau gehalten.“.

Mal ganz unbelastet von Studien, Forschung und ExpertInnentum: Wer sein Leben freiwillig an der Frage ausrichtet, ob dessen Details zur Veröffentlichung bei Facebook etc. taugen, hat meines Erachtens ein Problem. Und kein kleines.
Dass der Verlust der Möglichkeit zur Selbstdarstellung schmerzt, mag ich gerne glauben – aber das ist nicht Schuld der sozialen Medien.

Wenn ich nun für mich festgestellt habe, dass ich der Verführung erlegen bin, mein Leben auf einer virtuellen Bühne zu inszenieren und mich nur retten kann, indem ich das Theater verlasse, dann ist das eine gute und wichtige Erkenntnis. Wenn ich diese aber wiederum „veröffentlichungsfähig“ machen muß, indem ich beweise, dass meine Erfahrung allgemeingültig ist, dann zeigt das nur, dass ich immer noch in der selben Falle sitze.

Offenbar handelt es sich bei dem Artikel auch um das Outing der Autorin als Mensch mit Depressionen – dafür hat sie meinen allergrößten Respekt.
Und natürlich hat sie Recht, wenn sie feststellt, dass wir offener über Depressionen sprechen müssen!
„Offen darüber sprechen“ wäre cool gewesen.
„ICH HAB WAS GANZ WICHTIGES RAUSGEFUNDEN!!! … und übrigens, ich habe Depressionen“ ist nicht cool. Schade.

Link zum Artikel: social-media-depression-facebook-twitter

***

Ich hätte in meinem Leben nicht gedacht, dass ich mal eine Lanze für Facebook brechen würde …
Tatsächlich halte ich es für einen datensaugenden Zeitfresser, der nicht ganz ungefährlich ist.

Dennoch finde ich, dass Facebook für depressive Menschen ein nützliches Medium sein kann.

Wie bereits erwähnt, schaffe ich an richtig schlechten Tagen gar nicht erst den Weg zum Rechner. Meine Aufmerksamkeitsspanne ist dann manchmal in der Tat kläglich (zu Zeiten, wo ich mich noch zum Fernseher geschleppt habe, bin ich dann vor „Unsere kleine Farm“ eingeschlafen …), aber sie reicht aus, um einen Blick auf das Leben mehr oder weniger virtueller Freunde zu werfen.
Naturgemäß sind viele HundehalterInnen darunter. Aber auch Menschen, die mit Katzen, Pferden, Schafen und Ziegen leben.
Der regelmäßig kritisierte Umstand, dass Facebook einem stets nur zeigt, was man vermeintlich sehen möchte, kommt mir dabei durchaus zupass: Ich freue mich aufrichtig über Berichte vom gepflegt plüschigen Schoßhund, der sich beim Spaziergang mal richtig im Schlamm gewälzt hat, über Fotos von wuselnden Welpen in ihren Wurfkisten und über Videos von beinah gewonnenen Agility-Turnieren. Genauso wie ich mittrauere, wenn ein Tier verstirbt.
Das mag einer der grundlegenden Unterschiede zur reinen Selbstdarstellung sein: Es ist nicht alles eitel Sonnenschein.

In den Gruppen, deren Mitglied ich bin, spielt es keine Rolle, ob ich übernächtigt und mit verweinten Augen dasitze. Ich muß nicht Haltung wahren und nichts erklären, sondern kann einfach dabei sein.

Bevor jetzt jemand fragt, warum ich diese Menschen nicht lieber persönlich treffe:
Würde ich gerne! Die, die ich persönlich kenne, würde ich gerne (wieder)sehen und viele andere endlich einmal kennen lernen!
Hinderlicher noch als meine Depressionen sind hier die gut 1.000 Kilometer, die seit meinem Umzug nach Südfrankreich zwischen uns liegen.

Ein paar „Selbstdarsteller“ finden sich auch auf meiner Freundesliste. Aber sie sind nicht von der Sorte, die dokumentiert, wie großartig ihr Leben ist. Es sind Menschen, die Ihr Leben, seine Höhepunkte und Widrigkeiten mit einem Augenzwinkern schildern, oder auch mal ordentlich auf die Schippe nehmen. Sie laden ein, sich mit ihnen darüber zu amüsieren und ich nehme das Angebot gerne an.

Nachts kann es außerordentlich tröstlich sein, sich zu vergewissern, dass noch jemand wach ist. Ganz egal, ob man chatten mag oder sich gegenseitig Musikvideos vorspielt: Man ist nicht ganz und gar allein.

Natürlich ist mir bewusst, dass es sich hier größtenteils nicht um echte Freundschaften handelt, die über Jahre gepflegt werden wollen, Höhen und Tiefen überstehen müssen. Aus denen man sich nicht ausklinken kann, indem man den Rechner abschaltet.
Wie auch? Wer seinen Verstand halbwegs beisammen hat, gibt auf FB nichts preis, das wirklich privat ist.
Das Gefühl der Verbundenheit, das sich hin und wieder einstellt, tut trotzdem gut.

Was meine psychische Erkrankung betrifft, bin ich von dem Grundsatz, nichts Privates preiszugeben, nach reiflicher Überlegung abgewichen. Als ich begonnen habe, darüber zu bloggen, habe ich mich auch bei Facebook geoutet.
Weder hat die Erde gebebt, noch habe ich Freunde verloren. Es hat nicht einmal unangenehme Kommentare gegeben. Aber einige meiner Kontakte fühlen sich jetzt enger und vertrauensvoller an …

Wenn ich nachts den Eindruck habe, selbst auf Facebook die letzte zu sein, die den Weg ins Bett nicht findet, gucke ich Musikvideos bei Youtube. Und manchmal teile ich sie dann (ich hab meinerseits auch Spaß daran, wenn Freunde irgendwelche Stücke „ausgraben“, die wir vor 25, 30 Jahren ganz große klasse fanden).

Einmal war es die Titelmelodie von MASH …
Ich hatte nicht bedacht, dass der Originaltitel des Stückes, „Suicide is painless“, mißverstanden werden könnte.
Und erhielt umgehend die besorgte Nachfrage, ob bei mir alles in Ordnung sei.
Von einem dieser angeblich so flachen und bedeutungslosen Kontakte, die ich für meine FB Freunde halte …

Außer der Reihe: *kreisch!*

An meinem freien Tag schluffe ich morgens (nun ja, also sozusagen morgens) mit einer Tasse Tee an meinen Rechner um ganz entspannt ein bißchen zu gucken, was so los ist in der WWWelt.
Finde zu einem meiner Blog-Einträge einen mir ganz und gar unverständlichen Kommentar vor, eher ein Textfragment und frage mich zunächst, ob die Autorin wohlauf ist.

Um kurz darauf festzustellen, dass ich für einen Award nominiert bin. WOW!
Eine Auszeichnung! Und das mir!

liebster_award
Der Liebster Award ist eine Auszeichnung, welche Blogger anderen Bloggern verleihen, um sie bekannter zu machen und etwas mehr über den Blogger zu erfahren.

Okay, noch nicht ganz der Pulitzer Award, aber ich freu mich!
Da möchte jemand mehr über mich erfahren und findet, dass noch mehr Menschen meine Texte kennen sollten. Toll!

Ich freu mich und falle bei einem Blick in die Spielregeln erst einmal in Schockstarre …

Die Regeln:

  1. Danke dem Blogger, der dich nominiert hat
  2. Verlinke den Blogger, der dich nominiert hat
  3. Füge eines der Buttons von Liebster Award in deinen Beitrag ein.
  4. Beantworte die dir gestellten Fragen.
  5. Erstelle elf neue Fragen für die Blogger, die du nominierst.
  6. Nominiere 5 bis 11 Blogs, die weniger als 300 Follower haben.
  7. Informiere die Blogger per Kommentar darüber, dass du sie nominiert hast.

„Danke dem Blogger, der Dich nominiert hat und verlinke ihn.“
Wie jetzt? Was? Wie denn danken? Und was um Himmels willen wo verlinken?
Ich koche mir einen weiteren Tee und schaue 10 Minuten lang niedliche Tiervideos, die Leute bei Facebook geteilt haben.
Fange, nachdem ich mich etwas beruhigt habe, allmählich an, zu verstehen, was gemeint ist. Und beschließe, den Button aus irgendeinem anderen Beitrag zu klauen.
Die technischen Hürden wären damit fast bravourös gemeistert.

Beantworte die Dir gestellten Fragen“ – nichts einfacher als das!
Allerdings sollten die Antworten schon originell sein. Aber nicht so originell, dass sie gewollt oder gar selbstverliebt klingen. Intelligent halt, aber mit der gebotenen Lässigkeit.
Ich blogge über Ängste und Depressionen: Dürfen meine Antworten verzagt und jammerig sein? Müssen sie das nicht vielleicht sogar? Oder versuche ich, humorvoll zu sein?
Ich finde ja, dass depressive Menschen Humor haben müssen, sonst kommen die überhaupt nicht klar. Aber kann es mir gelingen, mir just zu diesen Fragen was Heiteres aus dem Ärmel zu schütteln?
Und ganz bestimmt sind schon Hunderte von Depris auf die Idee gekommen, darüber zu lamentieren, dass schon so ein ganz harmlos daherkommender Award sie völlig überfordern kann. Soviel zum Thema „originell“ also …

Erstelle 11 neue Fragen“ macht es auch nicht wirklich besser …

Aber wenn ich das geschafft habe, muss ich nur noch 5 bis 11 andere Blogger nominieren, die weniger als 300 Follower haben.
In sooo viele andere Blogs hab ich mich noch gar nicht reingelesen …
Mut zur Lücke? Oder erst „Speed-Reading“ durch- und dann Blogs nacharbeiten?
Wie krieg ich raus, wie viele Follower jemand hat? Was, wenn ich Schaf jemanden nominiere, dem ichzich Leute folgen und der das völlig unter seiner Würde findet? Oder schon elfundneunzig Mal nominiert wurde und nur noch müde abwinkt?
Und kränke ich die Menschen, die ich nicht nominiere?

Last not least: Das ist ein Kettenbrief.
Okay, man kriegt keine 1.000 Euro (oder 10 Lieblingsrezepte) geschickt, wenn man an die erste Stelle einer Liste gerückt ist. Es fällt einem auch nicht der Himmel auf den Kopf, wenn man nicht mitmacht.
Trotzdem ist es ein Kettenbrief und ich find Kettenbriefe kacke!
Mach ich nicht mit den Scheiß.

Außer ich bin total gerührt, weil jemand meine Texte mag …
Aber was, wenn die Leute, die ich nominiere, Kettenbriefe auch total kacke finden?
Die müssen mich ja für saublöd halten …
Andererseits: Wenn ich mir zu fein bin, mich an Aktionen zu beteiligen, mit denen BloggerInnen sich gegenseitig unterstützen, und Menschen, die das tun, damit vor den Kopf stoße, mag ich mich auch nicht leiden. Schlimmer noch: Dann mögen die mich nicht leiden!

Offenbar kann einem eine solche Nominierung immer mal wieder „zustoßen“. Wenn ich jetzt mitmache, aber hinreichend verdeutliche, wie sehr solche an sich harmlosen Aktionen mich blockieren können, dann wird der Kelch zukünftig hoffentlich an mir vorübergehen.
Sollte er das aber tatsächlich tun, sollte also niemand mehr mich „auszeichnen“ und mir ulkige Fragen stellen, wird mich auch das in tiefe Verzweiflung stürzen: Keiner hat mich lieb!

*** langer Hundespaziergang ***

Kurz vor Mitternacht.
Bislang noch keine Frage beantwortet.
Keine eigene Frage ausgedacht.
Sowieso niemanden nominiert.
Produktivität also um null oszillierend.

Was ich in diesem Falle gar nicht mal sooo schlimm finde:
Falls jemand ein Beispiel dafür gebraucht hat, wie Menschen wie ich sich mit dem „für“, dem „wider“ und dem „ob überhaupt“ dermaßen ein Bein stellen können, dass letztlich gar kein Ergebnis dabei herauskommt: Bitteschön!

Und nein: Ich habe immer noch keine Entscheidung getroffen.
In solchen Fällen wird gern dazu geraten, eine Münze zu werfen: Wenn beide Möglichkeiten katastrophal erscheinen, ist es echt egal …
Aber ich kenne mich: sofern sie nicht auf der Kante stehenbleibt, würde ich mit dem Fall der Münze hadern …
Ich neige eher dazu, gegen die dickere Mauer zu rennen – es muß sich ja lohnen …

Ich danke also Rapunzel (https://rapunzelsturm.wordpress.com/) für ihre Nominierung!

Warum hast Du WordPress gewählt und keine andere Bloggerplattform?
Ich bin alles andere als eine Checkerin, keine, die recherchiert und die beste Möglichkeit findet.
In diesem Fall hab ich eine Bekannte auf ihren Blog angesprochen und sie hat mir WordPress empfohlen. So unkompliziert, wie sie es mir geschildert hat, fand ich das Handling dann nicht, aber ich bin klargekommen.

Wie bist du auf deinen Blognamen gekommen?
Mir hatte ein Wortspiel vorgeschwebt …
„Sekundenschaf“, ein Name, den ich absolut genial finde, hat mich tagelang blockiert, weil mir einfach nichts ähnlich treffendes einfallen wollte.
„Mein“ Name sollte das Thema des Blogs transportieren, aber auch nicht zu negativ klingen. Ich hab mir lange den Kopf darüber zerbrochen.
Die „Schattentaucherin“ hat mich dann irgendwann angesprungen, als ich mit den Gedanken gerade ganz woanders war …

Wieviel Zeit investierst Du in Deinen Blog?
Uiii, schwer zu sagen …
Ich schreibe so oder so. Manchmal nur für mich, manchmal als Brief oder Mail an andere, manchmal als Blogeintrag an die Welt. Die Grenzen sind fließend.
Nach meinen Likes, Followern und Statistiken gucke ich nicht regelmäßig. Wär auch nicht gut für mich, glaube ich …

Wann bist Du am Kreativsten?
Nachts, keine Frage!
An einem guten Tag, wenn ich mit mir im Reinen bin, kann ich bei einem Hundegang oder während ich Jungpflanzen setze, Texte formulieren, die ich anschließend nur noch „abtippen“ muß.
Nachts dagegen kann es mir passieren, dass ich vor mich hinschreibe, ohne etwas Bestimmtes sagen zu wollen und am nächsten Tag vom Ergebnis selbst überrascht bin.

Wenn Du den Blog nochmal starten würdest, würde er dann genauso aussehen wie der jetzige?
Nachdem ich gerade erst damit angefangen habe, will ich das mal hoffen …

Wie wichtig ist Dir das Feedback Deiner Leser?
In allererster Linie blogge ich für mich. Aber es tut mir gut, wenn ich den Eindruck habe, andere zu erreichen, nicht allein zu sein.
Ach Quark: Ich freu mich über jedes „gefällt mir“!

Wie oft schaust Du auf die Statistik Deines Blogs?
Alle paar Tage mal …

Wenn Du andere Blogs liest, machst Du Dir dann Gedanken um den Autor und sein Leben?
Definitiv: JA!

Wenn Du eine Million Taler zur Verfügung hättest, die Du selber nicht behalten dürftest, wofür würdest Du sie ausgeben?
Kann ich bitte ein paar mehr Millionen haben??? Ein paar Milliarden? *bambiaugenmach*
Ich würde gern den einen oder anderen Konzern aufkaufen.
Um dann was damit zu tun? Nix. Gar nix. Einfach nur abwickeln.
Damit dürfte ich der Menschheit dann schon ziemlich weitergeholfen haben …

Camping oder Hotel?
Beim Stichwort Camping kriege ich Visionen von Isomatten, durch die sich Wurzeln und Steine schmerzhaft ins Kreuz drücken. Zwei-Personen-Zelte, deren Wände bei Regen durch nichts berührt werden dürfen. Durch die das Wasser im Zweifel einfach durchläuft. Von Schlafsäcken, unter denen man schweißgebadet aufwacht, wenn morgens die Sonne auf’s Zelt scheint. Alternativ von Wohnwagen, die von kleinen Jägerzäunen umgeben sind …
Finde letzteres schlimmer …

Am allertollsten finde ich es, morgens die erste Tasse Tee ans Bett gebracht zu kriegen!
Für die Sorte Hotel wird mein Budget nie in meinem Leben reichen. Und ich weiß auch gar nicht, wie ich einen völlig fremden Menschen – womöglich mit Livrée oder Schürzchen – an meinem Bett wohl finden würde. Ich müsste pünktlich zu den Mahlzeiten erscheinen und es wäre vermutlich nicht opportun, das im Schlafanzug zu tun.
Es sei denn, ich veruntreue ein paar ganz wenige von den Millionen oben und kaufe mir ein eigenes Hotel. Da dürfte dann außer mir keiner Urlaub machen – ich kann viele Menschen in einem Raum sowieso nicht gut ertragen.

Ansonsten: Weder noch.

Weiß Deine Familie oder Partner von Deinem Blog und lesen sie ihn?
Mein Partner liest Korrektur und steuert fehlende Satzzeichen, vor allem aber die Fotos bei.

***

Zwoter Abend … ich ringe um eigene Fragen …

Schickst Du regelmäßig Kettenbriefe weiter?

Hast Du schon geschrieben bevor es die Möglichkeit gab, zu bloggen?

Was gibt Dir das Schreiben?

Schreibst Du über Dich und Dein Leben, ein bestimmtes Thema, oder denkst Du Dir Geschichten aus?

Wie wichtig ist Dir Anonymität beim Bloggen?

Verfolgst Du andere Blogs?

Was für Bücher liest Du gern?

Magst Du Filme? Welche besonders?

Wie ist Dein Verhältnis zum Kochen / Essen?

Wissen die Menschen um Dich herum, dass und worüber Du bloggst?

***

Dritter Abend:

Ich nominiere (fingernägelknabbernd)

https://roerainrunner.wordpress.com/

https://hochsensibel1753.wordpress.com/

https://annieloveslilies.wordpress.com/

http://souveraenanders.com/

https://spurderdunkelheit.wordpress.com/