Woran erkenne ich einen depressiven Menschen?

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Erstmal gar nicht – er wird sich ja alle Mühe geben, normal zu wirken.

Und nicht unter Menschen gehen, wenn ihm das nicht gelingt. Er wirkt vielleicht geistesabwesend, langsam, inaktiv. Sagt womöglich häufiger Verabredungen kurzfristig ab.

Was er aber sicher nicht tun wird:

Er wird niemals einem anderen Depressiven raten, an die frische Luft / unter Menschen zu gehen, oder Ausdauersport zu betreiben. Auch nicht, mal eine Auszeit zu nehmen, was für sich zu tun, sich zusammenzureißen, seine Einstellung zu ändern oder es mit Johanniskraut zu versuchen.

Das tun die anderen.

Wenn Menschen Sätze mit „Wenn mir das so geht, dann …“ beginnen, möchte ich am liebsten sofort „Stop!“ schreien. „Wenn es dir jemals so gegangen wäre, wie mir jetzt, dann würdest Du mich mit Ratschlägen verschonen!“

Ich habe zur Kenntnis genommen, dass Ausdauersport stabilisierend wirkt.

Mehr noch, ich habe ausprobiert, dass Laufen – zumal bei Angststörungen – ausgesprochen hilfreich sein kann. Ist ja auch logisch: Wer Angst hat, möchte fliehen. Wenn ich meinem Körper erlaube, (weg) zu rennen, wirkt sich das auch auf meine Seele aus.

Auch von Lichttherapie gegen Winterdepression habe ich schon gehört.

Ich mag ganz viele Dinge glauben.

Aber solange mein Problem darin besteht, mich nicht bewegen zu können, solange ich bei dem Gedanken, die Wohnung zu verlassen, Schnappatmung bekomme und ich nicht in der Lage bin, mir auch nur eine Joggingsocke anzuziehen, so lange gehen all diese gut gemeinten Ratschläge kilometerweit an mir vorbei. Und dokumentieren nur, dass ich eben nicht verstanden werde.

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