Berufsleben – 2. Anlauf

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Ein Jahr hab ich mir Zeit genommen, den Kopf klar zu kriegen und mich neu zu orientieren.

Und beschlossen, jetzt endlich etwas ganz anderes zu machen:
Ich habe Tierpsychologie studiert und eine Ausbildung zur Hundetrainerin absolviert.

Die ca. 50 km Autobahnfahrt zu meiner Ausbildungsstelle haben mir Angst gemacht und nach jedem theoretischen Ausbildungstag, den ich mit viel zu vielen Menschen in einem Raum verbringen musste, war ich fix und fertig. Trotzdem habe ich die Zeit genossen und mehr als einmal überlegt, wie gut ich als Betriebswirtin hätte sein können, wenn ich nur mit ähnlich viel Interesse und Freude am Werke gewesen wäre. Allerdings war meine Affinität zu Tieren seit jeher größer, als die zu irgendwelchen Zahlenwerken …

Entsprechend hoffnungsfroh habe ich meine anschließende Selbständigkeit in Angriff genommen.

Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es einfach meine falsche Berufswahl gewesen wäre, die mich krank gemacht hat. Ein Burnout, von dem man sich erholt und anschließend sein Leben zum Positiven ändert.

Die meisten meiner KundInnen haben von meiner Erkrankung gewusst und sehr verständnisvoll reagiert, wenn ich mal kurzfristig eine Stunde absagen musste. Es war – Überraschung! – auch der eine oder die andere psychisch Kranke unter ihnen, die froh um eine Trainerin waren, die verstanden hat, wie schwierig ein Gassigang an schlimmen Tagen sein kann.

Nur konnte schon ein einziger Termin pro Tag mich ungeheuer anstrengen. Zu einer festgelegten Uhrzeit nicht nur halbwegs gefasst und präsentabel zu erscheinen, sondern tatsächlich aufmerksam, konzentriert, hoffnungsfroh und guter Dinge zu sein, hat mich unglaublich viel Kraft gekostet. Zwischen zwei Terminen mussten dann schon ein paar Stunden Erholungszeit liegen.

Ich habe meine Arbeit ausgesprochen gerne gemacht und etlichen Mensch / Hund – Teams helfen können
Aber eine erfolgreiche Selbständigkeit ist daraus nicht geworden.

Ich habe mich gefügt: Die Trainingsstunden, die ich in der Lage war, zu geben, habe ich gegeben.
Wenn es nicht ging, habe ich daheim auf dem Sofa gelegen, ferngesehen und darauf gewartet, dass es mir wieder besser gehen möge. Gegebenenfalls die Medikamentendosis erhöht und auf ihre Wirkung gewartet.

Immerhin musste ich auf die Frage „Und? Was machst du so?“ nicht bekennen, dass ich hauptsächlich mit Kranksein beschäftigt war. Ich war Hundetrainerin.

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