Wenn Taucherinnen sich freischwimmen

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Einkaufen war über lange Jahre eine Aktivität, für die ich mich regelrecht wappnen musste und nach der ich stets erholungsbedürftig war:
Menschenansammlungen, zumal in geschlossenen Räumen verursachen mir Beklemmungen. Und Supermärkte sind einfach … zu … bunt. Zu grell ausgeleuchtet. Zu viele Details, zu viele Entscheidungen. Zu alles. Kommen dann noch Musikberieselung, Lautsprecherdurchsagen und womöglich eine gewisse Hektik hinzu, hab ich ganz schnell meine Grenzen erreicht.

Die hiesigen Einkaufstouren, bei denen alles, aber auch wirklich alles von Bioladen bis Baustoffhändler in einem Aufwasch erledigt wird, weil der Weg in die Stadt so weit ist, dass Einzelfahrten sich nicht lohnen, hätten demnach alle Aspekte von Flooding aufweisen müssen, was zu meiner großen Erleichterung jedoch nicht der Fall war.
Das liegt ganz sicher unter anderem daran, dass ich nicht nur in, sondern die Begleitung bin – die Verantwortung für den Einkauf ruht nicht auf meinen Schultern: Wenn ich mittendrin völlig entschleunige und nur noch dastehe und das Keksregal anstaune, geht der Einkauf trotzdem weiter. Wenn das Warten an der Kasse zu viel wird, weil ich statische Situationen in großer körperlicher Nähe anderer Menschen nicht gut aushalten kann, dann geh ich halt raus.
Es scheint mir aber auch an der Mentalität der Südfranzosen zu liegen.
Obwohl die Gänge in den großen Supermärkten sehr viel breiter sind, als ich das aus Deutschland gewöhnt bin, gibt es natürlich auch hier jene begnadeten Einkäufer, die mit tödlicher Sicherheit einen Weg finden, diese maximal zu blockieren. Nur scheint es niemanden aufzuregen. Dann wartet man halt kurz. Und wenn man doch mal vorsichtig um jemanden herummanövriert, reagiert dieser meist mit einem charmanten, aber völlig gelassenen „Pardon!“. Lächelnd …
Auch hier kommt es vor, dass man in der Kassenschlange mal mit einem Einkaufswagen „angedotzt“ wird, aber das subtile, permanente „nur ein bißchen zu nah auf die Pelle rücken“, das mir schnell heftiges körperliches Unbehagen verursacht, gibt es kaum.
Selbst kurz vor Weihnachten ist diese latent aggressive Eile nicht zu spüren, die einen darüber nachdenken lässt, ob womöglich die Supermärkte nie wieder öffnen werden und die Leute zum letzten Mal die Gelegenheit haben, Lebensmittel einzukaufen.
Am faszinierendsten finde ich, was passiert, wenn eine neue Kasse öffnet: Gewohnheitsmäßig rechne ich damit, dass diejenigen, die am weitesten hinten in der Schlange standen, Vollgas geben, um an der neuen Kasse die ersten zu sein. Stattdessen gibt es eine Art wortloser Verständigung, auf die hin der hintere Teil der Schlange zur neuen Kasse umschwenkt, ohne dass die Reihenfolge sich ändern würde.
Einmal habe ich erleben dürfen, dass es an der neu eröffneten Kasse technische Schwierigkeiten gab, und die Menschen, die hierher gewechselt waren, umso länger warten mussten. Es war keinerlei Aufregung zu spüren.

Neulich nun ist es mir tatsächlich passiert, dass ich „den Hut für den Einkauf aufhatte“.
Zwar hat mich einer unserer Volontäre begleitet (alleine hätte ich mich das schwerlich getraut), aber der kannte nicht die Läden, wusste nicht, was benötigt wurde und auch seine Französischkenntnisse blieben ein wenig hinter meinen Hoffnungen zurück. Letzteres wäre mir als die größte Hürde erschienen, hätte ich es vorher gewusst. Einen Menschen dabei zu haben, hinter dem man sich – für alle verständlich – verstecken kann, weil man die Landessprache nicht beherrscht, bietet eine Menge Schutz; man muss nur achtgeben, dass man nicht unverhofft angesprochen wird, wenn der „Dolmetscher“ gerade außer Sicht ist. So aber habe ich mich (haben wir uns) ohne Schutzwall und ohne sicherheitshalber nachgeschlagenes Vokabular munter radebrechend ins pralle Leben gestürzt. Ging auch!

Meinem Begleiter wird das nicht weiter spektakulär erschienen sein …
Für mich war es ein Durchbruch, auch wenn ich das erst später so richtig begriffen habe.
In erster Linie war ich stolz, dass wir alles alleine hingekriegt haben. Und wir hatten Spaß dabei!
Dinge hingekriegt, weil sie nun mal nötig waren, habe ich früher auch. Zur Not halt mit fest zusammengebissenen Zähnen.
Der Spaß ist neu!

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Schaffen Sie sich doch einen Hund an!

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Der Ratschlag „Schaffen Sie sich doch einen Hund an!“, muß von einem Menschen stammen, der keine Depressionen hat. Oder keinen Hund.

Die Anwesenheit eines Hundes (oder auch einer Katze) tut gut, keine Frage!
Weil sie völlig vorbehaltlos und ohne Wertung ist.
Mein Hund mag es langweilig finden, wenn ich den halben Tag im Bett liege, aber er findet es blöd. Nicht mich. Es stört ihn überhaupt nicht, wenn ich mich nicht zum Duschen aufraffen kann. Er hält es auch nicht für bedenklich, dass ich mich so einigele.
Er ist einfach da, leistet mir Gesellschaft, kuschelt mit mir und leckt mir gelegentlich über die Nase.
Soweit alles schick.

Aber er soll ja auch dafür sorgen, dass ich regelmäßig an die frische Luft komme. Bewegung habe.
Okay, wer keinen Garten hat, schafft es irgendwie bis vor die Haustür damit der Hund sich lösen kann. Oder schlufft mal um den Block. Natürlich ist der ausgedehnte Spaziergang in der Natur viel besser für Mensch und Hund, aber an schlimmen Tagen reicht es dafür einfach nicht.
An diesen Tagen läuft der Ratschlag ebenso ins Leere, wie der, zu joggen – nur, dass den kein Hund ausbaden muß.

Zu zwischenmenschlichen Kontakten soll er mir auch verhelfen.
Ganz ehrlich: Den Menschen, der mir vom Horizont aus zuruft, sein Hund wolle nur spielen, will ich überhaupt nicht kennenlernen! Mir wäre im Gegenteil sehr geholfen, wenn er und sein Hund mal fix aus meinem Leben verschwänden.
Und ich mag mich auch nicht zwingend mit jedem, in den ich aus Versehen reinrenne, über die gravierenden Fehler unterhalten, die ich seiner Meinung nach bei der Erziehung meines Hundes mache.

Mit einem souveränen, pflegeleichten Hund kommt man auch an schwierigen Tagen recht gut durch die Welt.

Und ganz manchmal werden Hunde so geboren. Bei den meisten jedoch steckt sorgfältige und liebevolle Erziehung dahinter.
Welpen sind unfaßbar niedlich, sie erobern Herzen im Sturm, sie sind aber auch selbst noch sehr bedürftig. Und das rund um die Uhr. Und kaum hat man sie nach ein paar Monaten aus dem Welpenalter raus, kommen sie auch schon in die Pubertät und treiben ihre Besitzer schier zur Verzweiflung. Die gute Nachricht: Mit 3 bis 4 Jahren ist ein Hund geistig ausgereift und kann dann tatsächlich ein allzeit verlässlicher Begleiter sein.

Wer einen „second hand“ Hund zu sich nimmt, erspart sich die ersten, turbulenten Jahre und tut gleichzeitig etwas Gutes. Selbst wenn einem bewusst ist, dass man dem Hund keine ganz optimalen Bedingungen bieten kann: Besser als im Tierheim oder gar in der Tötungsstation geht es ihm auf jeden Fall!
Und natürlich kann man sie hier finden: Hunde, die trotz ihrer Vorgeschichte souverän, unkompliziert und einfach nett sind.
Die meisten landen allerdings deswegen im Tierheim, weil ihre Vorbesitzer genau diese Eigenschaften bei ihnen vermisst haben. Und ein Hund aus einer Tötungsstation leidet unter Umständen an Traumata, gegen die die eigene Angststörung ein Niemand ist.

Wer einen Hund besitzt, der angesichts anderer Hunde senkrecht in der Leine steht, ist einem sozialen Druck ausgesetzt, der selbst bei psychisch absolut stabilen Menschen dazu führen kann, dass sie es vorziehen, ganz früh morgens oder nach Einbruch der Dunkelheit Gassi zu gehen.
Wessen Hund nicht allein bleiben kann, kommt auch nicht häufiger vor die Tür – jedenfalls nicht mehr ohne Hund.

Und immer dann, wenn der Mensch sogenanntes Problemverhalten seines Hundes ganz bestimmt nicht brauchen kann, weil es ihm gerade selber dreckig geht, werden Stimmungsübertragung und die Sensibilität des Hundes für das Gegenteil sorgen: Ein Hund, der dazu neigt, Ressourcen wie „mein Revier“ und „mein Mensch“ zu verteidigen, wird das umso heftiger tun, je schutzbedürftiger ihm sein Mensch scheint. Ein ängstlicher Hund, dessen menschlicher Bodyguard erkennbar schwächelt, ist seinen Ängsten sehr viel stärker ausgesetzt.

Die Erkenntnis, bei der Erziehung des eigenen Hundes wohl den einen oder anderen Fehler gemacht zu haben, verschont keinen Hundebesitzer, der einigermaßen ehrlich mit sich selber ist. Wenn das Selbstwertgefühl aber sowieso schon am Boden ist, tut sie umso weher.

Die Notwendigkeit, sich abzugrenzen („Nein, mein Hund möchte nicht gestreichelt werden, der darf kein Leckerchen haben und der will auch jetzt nicht spielen!“) kann eine permanente Überforderung darstellen.

Und am schlimmsten – jedenfalls für mich – ist das schlechte Gewissen wenn ich wieder einmal das Gefühl habe, meinem Hund nicht gerecht zu werden.

Schaffen Sie sich also keinen Hund an?
Was soll ich sagen?
Während ich dies schreibe, liegt der meine neben mir und pennt …

Das Leben mit Hund ist immer auch eine Chance:
Wer sollte einen Hund mit Ängsten besser verstehen, als ein Mensch, der das selbe Problem hat?
Das Leben mit einem komplizierten, unangepassten, störenden Hund ist eine Herausforderung, keine Frage, aber keine, an der man nicht auch wachsen könnte.
Wenn ich es (noch) nicht schaffe, für mich selber einzustehen, dann vielleicht für meinen Hund?

Menschen mit psychischen Erkrankungen und Hund, brauchen andere, loyale Hundemenschen.
Die auch Fehler machen, die auch manchmal an ihrem Hund verzweifeln, die sie bei Spaziergängen begleiten und die, wenn es ganz arg ist, den Hund auch mal übernehmen können.

Damit sie das Leben mit Hund auch genießen können.

Angst ist eine Diva

IMG_10340-h-webIch habe es fast immer geschafft, ins Kino zu gehen, wenn ich das wollte.

Es ist eigentlich ganz leicht: Ich bleibe einfach draußen stehen bis die Karten gekauft sind und ein gut erreichbarer Sitzplatz direkt am Gang für mich gefunden ist. Da kann man mich dann hinführen.

Anders geht es nicht: Ich kriege schon Schnappatmung, wenn ich sehe, wie die Menschen sich am Eingang „knubbeln“. Klar kann ich mich da aus therapeutischen Gründen mal 5 Minuten lang mitten rein stellen. Aber danach ist der Abend für mich gelaufen – Panik ist wahnsinnig anstrengend. Wenn ich durch ein volles Foyer laufen muss, brauche ich meine ganze Konzentration, um ruhig zu bleiben. Für Kleinkram wie „Orientierung“ habe ich nicht wirklich Kapazitäten frei.

Und in einem Raum voller Menschen brauche ich die Gewissheit, im Fall der Fälle ruckizucki und im Blindflug nach draußen zu kommen.

Heil bei meinem Sitzplatz angekommen, japse und pfeife ich vielleicht ein bißchen vor mich hin, aber hey: Ich bin im Kino!

Das Problem liegt eher darin, Freunden und Bekannten, der Familie, dem eigenen Partner zu erklären, dass man diesen ganzen Aufriss tatsächlich braucht. Und dass man sonst „echt jetzt!“ nicht mit ins Kino kommen wird.

Jahaha – ich komme mir blöd vor dabei. Exzentrisch, divenhaft, unmöglich, knallneurotisch … was immer einem an fiesen Beschreibungen einfallen mag.

Aber ich bin draußen im Leben und nicht daheim vor der Glotze, nachdem ich Magen/Darm oder Migräne vorgeschützt habe.

Ich kann auch ganz normal wirken!

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Auch depressive Menschen haben stabile Phasen, gute Tage, lichte Momente.

Ich glaube (und hoffe sehr!), dass ich dann auf meine Umwelt einfach vollkommen normal wirke. Und genau so möchte ich auch wahrgenommen werden. Genau so möchte ich gerne sein!
Wenn mir die „Normalität“ dann doch wieder einmal wegbröselt und es mir nicht mehr gelingt, auch nur den Anschein aufrecht zu erhalten, verkrieche ich mich und werde unsichtbar.

Was die ganze Sache vermutlich nicht einfacher macht: Sichtbar, augenscheinlich, offensichtlich ist ja, dass ich ticke, wie jeder andere auch.
Nur, dass ich dann plötzlich für mich reklamiere, krank zu sein …

Kein Wunder also, dass Menschen glauben, meine schlechten Tage seien so wie die ihren. Meine guten Tage scheinen ihnen das ja auch zu sein.
Anders würde ich es auch gar nicht haben wollen!

Wenn ich mich tatsächlich entspannt und unbeschwert in der Welt und unter Menschen bewegen kann, wenn ich über Nichtigkeiten reden, mich ereifern oder mich halb totlachen kann, dann möchte ich nichts mehr, als dass dieser Zustand normal sein möge. Dann möchte ich natürlich nicht, dass Menschen mich beobachten und sich denken „schau, heute hat sie einen guten Tag…“.

Wenn es mir an weniger guten Tagen schwer fällt, zu „funktionieren“, bin ich froh um jeden, der nicht so genau hinschaut, der mir erlaubt, den Schein zu wahren.
Blöderweise würde ich an schlechten Tagen genau das Gegenteil brauchen: Dass Menschen sehr genau hinschauen, kleinste Anzeichen bemerken und daraus schließen, „heute hat sie einen schlechten Tag“.

Es gibt Wechselwirkungen zwischen Gefühlen und Gefühlsäußerungen. Wer ein freundliches Gefühl hat, lächelt. Aber auch wer lächelt, empfindet in der Folge Freundlichkeit.
Bei kurzen Kontakten zu fremden Menschen, ist es relativ einfach, den Schein zu wahren: Ich bestelle lächelnd 3 Brötchen, die Verkäuferin lächelt zurück … geschafft!
Wenn ich vorher 10 Minuten Schlange stehen musste, kann es sein, dass aller Schein verbraucht ist – dann gibt es keine Brötchen.

Es hängt sehr von der Situation und den beteiligten Menschen ab, ob ich noch „normal funktionieren“ kann.
Smalltalk war mir schon immer ein Mysterium und ich bin sehr unsicher im Umgang mit Menschen. Wenn ich mich aber in einer Arbeitssituation befinde, wenn es nicht um meine Person, sondern um die Sache geht, fühle ich mich sehr viel sicherer.
Deswegen kann es mir passieren, dass ich problemlos in der Lage bin, ein Seminar zu leiten, mich zu einem netten Beisammensein aber nicht hintraue.
Selbst an ganz schlechten Tagen ist es regelmäßig vorgekommen, dass ich mich mit Müh‘ und Not zu einem Gruppentraining geschleppt habe – um dort eine Stunde lang völlig unbeschwert zu zaubern – und dann zitternd und völlig entkräftet nach Hause gefahren bin.

Und es hängt – ganz konkret –von dem einzelnen Menschen ab, mit dem ich es gerade zu tun habe.
Eine Freundin, der ich sagen kann, dass es mir heute scheiße geht, die nicht verlegen wird, wenn ich dabei weinen muss, mit der ich aber eigentlich in erster Linie einen Hundespaziergang machen möchte. Ich sage, ich weine, und dann gehen wir spazieren als wäre nichts.

Eine Freundin, sie selber depressiv ist. Die sehe ich vielleicht seltener – weil es in diesem Falle ja zwei Leuten gut gehen muss, damit ein Treffen zustande kommt – aber dann müssen wir nicht viel erklären um einander zu verstehen.

Tja, und dann die Menschen, die mir wirklich nahe stehen …
Diejenigen also, die mich regelmäßig in allen Lebenssituationen gut, irgendwie oder gerade so eben klarkommen sehen.
Die aber auch die einzigen sind, die mich noch zu sehen bekommen, wenn gar nichts mehr geht.
Die, von denen ich mir wünschen würde, dass sie akribisch vermerken „schau, jetzt hat sie einen schlechten Tag!“ …

Von diesen Menschen ist es vielleicht einfach sehr (oder gar zu) viel verlangt, immer und immer wieder zu wissen, wie das Verhältnis der Kräfte gerade jetzt aussieht. Und sie sind im Zweifel immer die, die mich vom Boden aufkratzen müssen – selbst dann, wenn es auch für sie so aussah, als würde ich durchaus klarkommen.

Gerade von diesen Menschen möchte ich verstanden werden! Ich brauche ihre Hilfe und Unterstützung und ich habe nicht immer die Kraft für lange Erklärungen.

Es muß anstrengend für sie sein, mit mir zu leben. Für mich ist es das jedenfalls …

Angst haben braucht Mut!

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An meinem Arbeitsplatz als Angestellte habe ich es als extrem hilfreich empfunden, Kolleginnen und Kollegen mit Einzelbüros zu haben, bei denen ich mich kurz mal verbarrikadieren konnte, wenn ich beim Heulen und Zähneklappern nicht von der ganzen Firma gesehen werden wollte. Ist deutlich angenehmer, als sich auf dem Klo einzuschließen.

Oder Menschen, denen ich ganz knapp „bring mich hier raus!“ zuzischen konnte und die dann wussten, was zu tun war: Mich am Arm nehmen, ganz langsam aus dem Gebäude führen und dafür Sorge tragen, dass ich unterwegs nicht festfriere.

Yup, da sprechen wir von Phasen, in denen es mir immerhin gut genug ging, um zur Arbeit zu gehen.

Trotzdem hab ich immer mal wieder Hilfe gebraucht – und auch bekommen.
Allzu oft habe ich sie nicht in Anspruch nehmen müssen – war auch besser so, die anderen müssen ja auch mal zum Arbeiten kommen. Allein die Sicherheit, einen „Notausgang“ zu haben, falls es nötig sein sollte, hat in aller Regel ausgereicht.

Natürlich musste ich dafür „die Hosen runterlassen“: Bekennen, dass ich krank, psychisch krank bin. Komisch. Nicht normal. Bekloppt.

Und damit bin ich sehr gut gefahren.

Mit den Depris und Angstneurotikern ist es wie mit allen Gruppen, zu deren Zugehörigkeit sich niemand so recht bekennen mag: Man hört und sieht sie nicht, aber ihrem statistischen Bevölkerungsanteil entsprechend trifft man sie trotzdem überall.

Ich bin Menschen begegnet, die mit viel Einfühlungsvermögen einfach das Richtige getan haben, solchen, die „das Problem“ aus Familie oder Freundeskreis kannten, und natürlich BETROFFENEN!

Wir sind viele. Und wir sind überall.

Als psychisch gesunder Arbeitnehmer vermag man sich das vielleicht nicht recht vorzustellen, aber wenn zwei Angstneuotiker beschließen, als psychisches Stoßmichziehdich zu versuchen, ob man es denn heute wohl mit vereinten Kräften in die Firmenkantine schafft, dann kann das durchaus eine sehr unterhaltsame Veranstaltung sein.